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Schwimmwesten Brustgurt
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Brustgurt
und Cowtail werden heute teilweise zu völlig anderen
Zwecken eingesetzt als bei ihrer Entwicklung geplant und anfänglich
auch praktiziert.
Missverständnisse und Beinahe-Unfälle gibt es inzwischen
genug, es ist an der Zeit die Informationen zu sortieren und
die Konsequenzen zu ziehen.
Wie konnte diese Situation entstehen? Ein Blick in die Entwicklungs-Geschichte
dieser Ausrüstung liefert die Erklärung:
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Die
Erfindung der Sicherheits-Weste
Die erste Wildwasser-Weste mit Gurt kam 1981 auf den
Markt. Sie wurde von einer Gruppe AKC’ler (*)
konstruiert und über Schlegel Paddel vertrieben.
Das erste Bild einer Gurtweste war im September 1981
im Schlegel Paddel Katalog, der Fahrer ist Peter Lintner
(ja, genau der - immer noch schwer aktiv – siehe
www.bondle.de!)
Kurz zuvor tauchten schon modifizierte Klettergurte
auf, die über einer normalen Schwimmweste getragen
wurden. Diese ließen sich zum damaligen Zeitpunkt
jedoch noch nicht unter Last öffnen.
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An
die abgebildete Schlegel-Weste wurde ein Jahr später
eine Karabinertasche und eine Bergeleine montiert. Das war
die Geburtsstunde der "Multi-Safe", der ersten Gurtweste
mit integrierter Schleppleine.
Die erste "Multisafe"
Ziel der Schleppleine war, einen kraftlosen Schwimmer, der
sich in einem reißenden Großfluss nicht mehr am
Boot eines Retters festhalten kann, schnell ans sichere Ufer
zu bringen. Dazu wurde gemeinsam geübt und die Techniken
verfeinert. Schon ein Jahr später kam es zum ersten Ernstfall
und einer erfolgreichen Rettung.
Für die Sicherung eines Helfers im Wasser ("Rettungsspringer")
erwies sich die kleine Weichplastikschnalle der ersten Westen
jedoch als zu schwach. Schon bei geringem Zug am Seil rutschte
der Gurt durch die Klemme und der Retter war nicht mehr gesichert.
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Zur selben Zeit fertigte °hf eine Serie von Rettungsgurten,
die über den bestehenden Westen getragen werden konnten
und sich bei Gefahr mit einem Handgriff abwerfen ließen.
Dort gab es stabilere Klemmen und auch schon die Mehrfachumlenkung.
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1986
kam dann von °hf die "Cordura Classic"
auf den Markt. Es war die erste Wildwasser-Weste in
Pull-Over-Form, die erste Weste aus Cordura und die
erste Weste mit Mehrfachumlenkung.
Die Festigkeit des Cordura-Classic-Brustgurtes lag weit
über der Bruchlast der üblichen Wurfsackseile.
In der Kette Seil / Karabiner / Brustgurt lagen damit
erstmalig alle Elemente über 500 daN Bruchlast.
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Cordura-Classic 1986 |
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Die
Idee des Brustgurtes mit Mehrfachumlenkung wurde in den Folgejahren
von anderen Herstellern übernommen und ist heute noch
Stand der Technik.
Im Vergleich mit den herkömmlichen Westen ohne Brustgurt
boten die neuen Modelle viel mehr Möglichkeiten beim
Rettungseinsatz. Allerdings war jeder Paddler sich damals
aber auch der Schwächen des neuen Systems bewusst: |
- Die
Auslösung kann versehentlich geöffnet werden
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Die Auslösung kann im Notfall blockiert sein (Etwa
wenn der Paddler mit der Brust gegen einen Stein gepresst
wird und dann die Schnalle nicht öffnen kann)
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Die Reibung ist in häufig zu groß, trotz geöffneter
Klemme läuft der Gurt nicht ab.
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Die Trennung funktioniert trotz offener Klemme nicht,
z.b. wenn sich der Rettungsspringer im eigenen Seil verfängt.
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Die Auslösung funktioniert nur wenn das freie Gurtende
nicht zu lang ist, u.a.m.
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| Durch
die ständige Auseinandersetzung mit der neuen Technik
war 1984 jedermann klar dass sie nicht zur Materialbergung
gedacht ist. Deshalb musste damals auch nicht explizit darauf
hingewiesen werden. Ein Boot am Haken, dann eine Eskimorolle,
dabei das Seil um den Hals gewurstelt und bei jeder Welle
ein kräftiger Ruck vom Schleppgut – ein solches
Risiko wollte niemand eingehen. |
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In
der AKC-Broschüre von 1984, dem unumstrittenen Klassiker
in Sachen Sicherheit, wird ausführlich die Personenrettung
besprochen, aber kein Wort von Materialbergung mit der Leine.
Auch im °hf-Prospekt (im Bild die am Boot montierte Schleppleine,
1987) ist immer nur von Personenrettung die Rede.
Bequemlichkeit vor Vernunft
Natürlich erkannten Kanulehrer und Fahrtenleiter schnell
die Möglichkeit mit Brustgurt und Cowtail auch gekenterte
Boote bequem an Land zu ziehen. In gefahrlosen Situationen
wurde dies ja auch toleriert, jedenfalls wenn es sich um erfahrene
Experten beim Kursbetrieb auf leichten, offenen Flüssen
handelte.
Doch letztlich liegt im falschen Vorbild der Experten von
damals eine Ursache für heutige Probleme: Die nächste
Generation Kanufahrer lernte Brustgurt und Cowtail vor allem
zur Materialbergung kennen und wendete diese Technik später
natürlich auch selbst an. Die ursprüngliche Bedeutung
der Schleppleine gerät immer mehr in Vergessenheit. Dies
belegt auch an ein weiteres Beispiel, der Kajak-Karabiner:
Kajak-Karabiner
Bei den Übungen mit der Schleppleine im unruhigen Wildwasser
wird schnell klar wie schwierig ein herkömmlicher Kletterkarabiner
bei einem kraftlosen Schwimmer einzuhaken ist. |
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Da traf es sich günstig dass die Kletterer (Beginn der Freikletter-Ära)
ebenfalls auf der Suche nach einem neuen Karabiner waren.
In Zusammenarbeit mit Kong brachte °hf 1988 den ersten
Kajakkarabiner auf den Markt, der sich dank seiner überstehenden
Fangnase besser einhaken lässt.
Doch die Nachfrage nach diesem Karabiner ging rapide zurück
als ein Paddel-Karabiner auf dem Markt erschien. Der Paddel-Karabiner
ist groß genug um auch einen Paddelschaft aufzunehmen.
Es interessierte nicht mehr, dass der Paddelkarabiner im Ernstfall
bei einem Schwimmunfall ebenso problematisch ist wie die alten
Kletterkarabiner. Die Kanufahrer legen beim Karabinerkauf
heute mehr Wert auf das Abschleppen des Paddels als auf die
Eignung für den Notfall.
(°hf Cowtails werden seit 1988 mit diesem „Fangnasen-Karabiner“
ausgeliefert, aber Kanuhändlern berichten dass ihre Kunden
oft schon im Laden den original Karabiner gegen einen Paddelkarabiner
umtauschen)
Was jetzt?
Die Schwachstellen und Gefahren des Brustgurtes an einer Wildwasserschwimmweste
waren schon vor 20 Jahren bekannt und trotzdem ist in all
den Jahren keine bessere Lösung aufgetaucht. Im Gegenteil
– die Risiken sind unverändert, aber das Wissen
um diese Risiken scheint immer mehr aus aus den Köpfen
der Paddler zu verschwinden. Deshalb möchte ich als Hersteller
dieser Ausrüstung hier noch einmal in aller Deutlichkeit
auf die Risiken hinweisen:
Die Kombination Brustgurt/Cowtail
wurde nicht zur Materialbergung konstruiert. Wenn Sie dennoch
dazu benutzt wird, dann wird (siehe oben) auf die besonderen
Risiken hingewiesen. Wer Brustgurt/Cowtail trotz dieser Hinweise
zur Materialbergung einsetzt, der übernimmt auch die
Verantwort für seine Entscheidung. Eine Haftung des Herstellers
bei Materialbergung ist deshalb ausgeschlossen.
Der Verschluss des Brustgurtes mit Klemmdeckelschnalle und
Mehrfachumlenkung ist heute allgemeiner Standard. Brustgurte
mit diesem Verschluss bieten geschulten Kanufahrern zusätzliche
Möglichkeiten für die Personenrettung. Wer diese
Möglichkeiten nutzen möchte, der muss vorher eine
intensive Ausbildung bei einem kompetenten Fachmann absolvieren.
Dort müssen auch die Risiken dieser Techniken umfassend
erklärt und verstanden werden. Eine praktische Schulung
unter kompetenter Anleitung ist ebenfalls zwingender Bestandteil
einer solchen Ausbildung.
Jede Anbringung von Cowtails, Seilen oder ähnlichen Konstruktionen
ohne diese vorherige Ausbildung kann lebensgefährliche
Folgen haben und ist deshalb zu unterlassen.
Bitte geben Sie diese Informationen auch an Ihre Kameraden
weiter – Vielen Dank!
Wenn es gelingt mit dieser Information gefährliche Situationen
zu verhindern und so den Spaß am Kanufahren für
alle zu erhalten, dann ist das Ziel erreicht. Mit diesen Zeilen
möchte ich einen Beitrag dazu leisten.
In diesem Sinne – viel Spaß am Bach! |
Horst
Fürsattel
hf Kajaksport
(November 2005) |
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Brustgurt-Anleitung (PDF) hier
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(*)
Fredi Höll, Ingo Kiewel, Werner Hönig, Volker Hartwich,
Holger Machatschek |
| Nachdruck
dieser Hinweise im Interesse der Sicherheit ausdrücklich
erwünscht, jedoch bitte nur komplett und mit dem Quellenhinweis:
"Horst Fürsattel, www.hf-kajaksport.de" |