„Fegefeuer“
Erstbegehung im Urwald Venezuelas
Endlich!
Am 13.12.2006 stehen wir am Gipfel des 2200 Meter hohen Acopan Tepui,
die ca. 700 Meter hohe stark überhängende Nordwand liegt hinter
uns.
Der Augenblick ist atemberaubend und die Schinderei der letzten Wochen
binnen Sekunden fast vergessen.
Aber alles der Reihe nach:
Mit einem gnadenlos überladenen Jeep, Kletterausrüstung, Faltkanus
und Macheten im Gepäck, war unser Team Anfang November in Caracas
aufgebrochen.
Die Fahrt ging immer Richtung Osten, nach drei Tagen und kräftig
durchgerüttelt erreichen wir den Oberlauf des Rio Karuai.
Schnell sind die Boote aufgebaut. Das beladen der zwei Mann Kanadier mit
der gesamten Expeditionsausrüstung bereitet schon deutlich mehr Kopfzerbrechen.
Gnadenlos überladen stechen wir ins Wasser.
Eine Woche dauert die Paddelei auf dem immer größer werdenden
Fluss, immer wieder wird die Fahrt durch aufwendiges umtragen der Boote
an Stromschnellen und Wasserfällen unterbrochen.
Nur selten stoßen wir im meist dichten Uhrwaldgürtel entlang
des Flusses auf „Pemon“ die Indianischen Uhreinwohner der
Gran Sabana.
In Yunek einer kleinen Indianersiedlung angekommen, geht es nach ausgiebigen
Verhandlungen mit dem Dorfoberhaupt zu Fuß weiter zum Acopan Tepui.
Mit Macheten bewaffnet und durch einheimische Führer unterstützt
bahnen wir uns einen Weg durch den immer dichter werdenden Regenwald zur
Nordwand des Acopan.
Nach Meinung der Einheimischen sind „Tepuis“ die Berge der
Götter und werden von Geistern bewohnt. Erst nach einiger Überzeugungsarbeit
und mit der Zustimmung des Dorfältesten können wir mit der Kletterei
beginnen.
Die Wand ist stark überhängend und im unteren Teil oft extrem
brüchig.
Am Anfang arbeiteten wir mit zwei Kletterteams abwechselnd in der Wand,
durch den anspruchsvollen Sandstein und die Steilheit geht es nur ziemlich
langsam voran.
Mit zunehmender Höhe wird aber der Nachschub von Ausrüstung
und Wasser immer Zeitaufwendiger, nach acht Klettertagen haben wir gerade
mal die Wandmitte erreicht und den größten Teil unserer Fixseile
aufgebraucht.
Wir sind zu diesem Zeitpunkt schon einen Monat unterwegs, langsam läuft
uns die Zeit davon und wir müssen uns was einfallen lassen.
So beschließen wir die restliche Zeit komplett in der Wand zu verbringen
Am kommenden Morgen steigen wir im ersten Licht zum letzten mahl die Fixseile
hinauf, während Stefan und Ivan die Route vorantreiben sind Kurt
und Holger den ganzen Tag damit beschäftigt zwei riesige Säcke
mit Wasser und Biwackausrüstung durch die Wand zu ziehen. Im Oberen
Wandteil wird die Felsqualität immer besser und es warten einige
absolute Traumseillängen auf uns. Die Nächte verbringen wir
auf schmalen Bändern und in Hängematten bis wir nach 11 Klettertagen
den Gipfel des Acopan Tepui erreichen.
|
Team:
Kurt Albert, Stefan Glowacz, Holger Heuber, Ivan Calteron unterstützt
durch Kameramann Jochen Schmoll, Fotograf Klaus Fengler und den Arzt Tilo
Marschke.
Route:
600 Meter, 16 Seillängen, Schwierigkeit zwei Seillängen 9 Rest
durchgehend 7-8+
Absicherung:
Alle Stände gebohrt, Zwischensicherungen hauptsächlich Friends
und Klemmkeile, in den schwierigen Seillängen auch Bohrhaken.
|